Vertretungsarbeit in der ÖH

Die Fach­schafts­lis­ten Öster­reichs legen als par­tei­un­ab­hän­gi­ge Stu­die­ren­den­frak­ti­on Wert dar­auf, den Stu­die­ren­den umfas­sen­de Bera­tung, Infor­ma­ti­on und Ser­vice zu bie­ten und sie kon­struk­tiv gegen­über den Uni­ver­si­tä­ten und dem Bund zu ver­tre­ten. Die Par­tei­un­ab­hän­gig­keit soll aber nicht – wie lei­der viel zu oft behaup­tet wird (und dies ist hier all­ge­mein und nicht nur auf die FLÖ bezo­gen) – bedeu­ten, dass wir nicht poli­tisch sind. Poli­ti­sche Arbeit leis­ten wir durch zahl­rei­che Stel­lung­nah­men zu aktu­el­len poli­ti­schen The­men und wir äußern uns auch zu nicht direkt bil­dungs­po­li­ti­schen The­men (z.B. im Bereich Sozia­les). Wir sind auch stets bemüht, unse­re Kon­tak­te mit den Par­tei­en zu pfle­gen – die­se beschrän­ken sich aber auf die Ein­brin­gung von The­men und Ide­en sowie das Lan­cie­ren stu­den­ti­scher Inter­es­sen. Sehr viel Arbeit pas­siert abseits der Öffent­lich­keit. Meist ist es für die Ver­tre­tungs­ar­beit sogar höchst schäd­lich, wenn man eige­ne Erfol­ge bei den Stu­die­ren­den groß ver­kau­fen will. Denn oft ringt man Rek­to­ra­ten Ein­ge­ständ­nis­se ab, die sie bei einer all­ge­mei­nen Öffent­lich­wer­dung schwä­chen wür­den. Dies wür­de dazu füh­ren, dass Ein­ge­ständ­nis­se zurück­ge­nom­men oder zukünf­ti­ge erst gar nicht gege­ben wer­den. Für uns zählt der Erfolg für Stu­die­ren­de und nicht die Anzahl an Presseaussendungen.

Das Uni­ver­si­täts­ge­setz 2002 (UG) hat die Mit­be­stim­mung der Stu­die­ren­den – jedoch nicht nur der Stu­die­ren­den – stark zurück­ge­drängt. Aber es gibt sie noch! Vor­ge­se­hen auf jeder Uni­ver­si­tät sind ein Senat, Habi­li­ta­ti­ons­kom­mis­sio­nen, Beru­fungs­kom­mis­sio­nen und Kom­mis­sio­nen zur Erstel­lung von Stu­di­en­plä­nen (Stu­di­en­kom­mis­sio­nen*). Wei­te­re Kom­mis­sio­nen kön­nen ein­ge­rich­tet wer­den, müs­sen aber nicht, dem­entspre­chend kann hier auf die­se Gre­mi­en nicht ein­ge­gan­gen wer­den. (Sie­he dazu die Sei­ten der loka­len Uni­ver­si­tä­ten und der Hoch­schü­le­rin­nen- und Hochschülerschaften.)

Als beson­ders wich­ti­ges Gre­mi­um betrach­ten wir die Stu­di­en­kom­mis­sio­nen*, da in die­sen das meis­te direkt für Stu­die­ren­de erreich­bar ist. In den Stu­di­en­kom­mis­sio­nen ent­ste­hen die Stu­di­en­plä­ne und ohne die Stu­di­en­kom­mis­sio­nen kön­nen Stu­di­en­plä­ne nicht abge­än­dert wer­den. Im Gegen­satz zu den ande­ren im vori­gen Absatz erwähn­ten Kom­mis­sio­nen muss in Stu­di­en­kom­mis­sio­nen kei­ne abso­lu­te Mehr­heit der Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren herr­schen. Die Zusam­men­set­zung ist von Uni­ver­si­tät zu Uni­ver­si­tät ver­schie­den, nicht sel­ten wur­de hier aber die alte Drit­tel­pa­ri­tät wie­der ein­ge­führt. [Dar­un­ter ver­steht man, dass Stu­die­ren­de, Mit­tel­bau (Dozen­tin­nen und Dozen­ten, Tuto­rin­nen und Tuto­ren, …) und Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren jeweils glei­cher Stim­men­stär­ke ver­tre­ten sind.]

Der Senat ist das „höchs­te” Kol­le­gi­al­or­gan der Uni­ver­si­tät. Seit der letz­ten UG-Novel­le besteht der Senat aus 26 (oder 18) Per­so­nen. Davon sind 13 Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren, 6 Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter des Mit­tel­baus, 6 Stu­die­ren­de und 1 Ver­tre­te­rin oder Ver­tre­ter des all­ge­mei­nen Per­so­nals (bei 18 Mit­glie­dern ist das Ver­hält­nis 9 – 4 – 4 – 1). Aber trotz die­ser schein­ba­ren Über­macht der Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren resi­gnie­ren wir nicht, und tat­säch­lich las­sen sich auch hier mit kon­struk­ti­ver Arbeit Erfol­ge erzie­len. Vor allem bei den neu­en Sat­zungs­tei­len für die Uni­ver­si­tä­ten (wel­che durch das Uni­ver­si­täts­ge­setz not­wen­dig gewor­den sind) haben füh­ren­de Per­sön­lich­kei­ten der Fach­schafts­lis­ten Öster­reichs erfolg­reich für dich gekämpft. Je nach Uni­ver­si­tät schau­en hier die Erfol­ge anders aus, erkun­di­ge dich bei der Fach­schafts­lis­te (FL, FLUG, ÖSU Linz, KuPo, FL-Boku, …) an dei­ner Uni­ver­si­tät darüber.

In den Habi­li­ta­ti­ons­kom­mis­sio­nen und Beru­fungs­kom­mis­sio­nen herrscht eine „Über­macht” der Pro­fes­so­rin­nen und Pro­fes­so­ren. Die­se zwei Kom­mis­sio­nen beschäf­ti­gen sich mit Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten. In den Erst­ge­nann­ten geht es um die Ver­lei­hung der Lehr­be­fug­nis (sie­he dazu z.B. http://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​H​a​b​i​l​i​t​a​t​ion), Zwei­te­re regeln die Beset­zung der Pro­fes­su­ren der Uni­ver­si­tät. Die Habi­li­ta­ti­on betrifft die Leh­re zen­tral und auch bei einer neu­en Pro­fes­sur muss dar­auf geschaut wer­den, dass die beru­fe­ne Per­son für uns Stu­die­ren­de hoch­wer­ti­ge Vor­le­sun­gen hal­ten kann. Dem­entspre­chend ist eine Mit­ar­beit in die­sen Kom­mis­sio­nen für uns unerlässlich.

Auch in den staat­li­chen Kom­mis­sio­nen nüt­zen wir die sich uns erge­ben­den Chan­cen. Hier­bei sei exem­pla­risch der Sti­pen­di­en­se­nat als bei wei­tem die wich­tigs­te staat­li­che Kom­mis­si­on erwähnt. In die­ser wer­den stu­den­ti­sche Ein­sprü­che bei der Ver­ga­be von Sti­pen­di­en behandelt.

Die „infor­mel­le Ver­tre­tung” hat vie­le Gesich­ter. Wir ver­tre­ten Stu­die­ren­de gegen­über Leh­ren­den und pro­bie­ren dabei indi­vi­du­el­le und struk­tu­rel­le Pro­ble­me bei Stu­di­en zu behe­ben. Dabei sind wir auf dich ange­wie­sen. Wir kön­nen nicht alle Pro­ble­me sel­ber erken­nen, zöge­re also nicht, dich an die Fach­schafts­lis­te an dei­ner Uni­ver­si­tät zu wen­den, wenn dir irgend­wo Miss­stän­de auffallen!

Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Fach­schafts­lis­te fin­dest du auch auf allen Ebe­nen der Stu­die­ren­den­ver­tre­tung, vie­le von uns sind oder waren Studien(richtungs)vertreterinnen und Studien(richtungs)vertreter oder Man­da­ta­rin­nen und Man­da­ta­re in Uni­ver­si­täts­ver­tre­tun­gen oder in der Bun­des­ver­tre­tung der Öster­rei­chi­schen Hoch­schü­le­rin­nen- und Hoch­schü­ler­schaft. Die Phi­lo­so­phie der Fach­schafts­lis­ten ist hier­bei, den „unte­ren” Ebe­nen (=Stu­di­en­ver­tre­tun­gen) mög­lichst gro­ße Hand­lungs­frei­heit zu las­sen (sie­he Grund­sät­ze der FLÖ). Die­ses Sys­tem hat sich seit der Grün­dung der ers­ten Fach­schafts­lis­ten bes­tens bewährt, da die Stu­di­en­ver­tre­tun­gen meist am bes­ten über die Bedürf­nis­se der Stu­die­ren­den Bescheid wissen.

* Ach­tung, auch ande­re Bezeich­nun­gen wie z.B. Cur­ri­cu­la­kom­mis­sio­nen sind geläu­fig, offi­zi­ell hei­ßen die­se „Kom­mis­si­on für Stu­di­en­an­ge­le­gen­hei­ten gemäß § 25 Abs. 1 Z 10 UG 2002”